Die magische Zeit der Rauhnächte

Sie haben etwas mystisches: die zwölf Nächte zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag. Wenn die kühle klare Luft die Nebelschwaden langsam auflöst und sich die erste Schneedecke schützend um die Welt legt, „stehen die Tore der Anderswelt weit offen“, heißt es in alten Schriften. So gelten die Rauhnächte seit jeher als eine Zeit der Einkehr, des Orakelns und des Wünschens.

die-magische-zeit-der-raunaechte
Nutze die heiligen Nächte bis Anfang Januar, um deine Wünsche für das kommende Jahr zu manifestieren und zum Orakeln. Lies hier, wie es geht! Foto: Adobe Stock

Von der stillen Zeit des Jahres

Seit der frühen Neuzeit gelten die zwölf Nächte vom 25. Dezember bis zum 5. Januar als besondere Phase, in denen die bekannten Naturgesetze außer Kraft gesetzt sind – und die Welt sich der Macht des Übernatürlichen beugt. Tatsächlich kommt diese Vorstellung nicht von ungefähr, denn die Rauhnächte stellen in der Tat eine Lücke in der Zeit dar. Sie entstand einst mit der Umstellung vom Mond- auf den Sonnenkalender, da dieser elf Tage (oder eben zwölf Nächte) mehr aufweist, nämlich 365 statt 354, wurden die fehlenden Tage schlicht an das Mondjahr angehängt. Unsere Ahnen glaubten, dass es während den Rauhnächten möglich ist, einen Blick hinter das Offensichtliche zu erhaschen, Botschaften zu empfangen und Wünsche zu manifestieren.

Stunden der inneren Einkehr

In der Zeit der Rauhnächte ruhte die Arbeit, die Menschen versammelten sich um ihre Herdfeuer – und taten das, wofür sonst kaum Zeit blieb: Sie erzählten, hielten inne, lauschten den alten Geschichten, ihren eigenen Gedanken. In diesen zwölf Tagenteilten sie, was wahrhaft kostbar ist. Freundschaft. Verbundenheit. Liebe. Und: Zeit. Seit Jahrhunderten gelten die Rauhnächte daher vor allem als eines: eine Zeit der Einkehr, die das Tor aufstößt zu einer magischen Dimension, in der sich unsere geheimsten Gedanken und Träume entfalten.

Wünsche für das kommende Jahr

Nach altem Glauben ist jede der zwölf Nächte zukunftsweisend und symbolisiert einen Monat des kommenden Jahres: Der 25. Dezember entspricht dem Januar; der 26. Dezember dem Februar und so weiter. Es heißt, was auch immer an diesen Tagen geschieht, wird sich als Tendenz auch im entsprechenden Monat manifestieren. Träumen wurde daher zu dieser Zeit eine besondere Beachtung geschenkt, sie galten als prophetisch. Entscheidend aber war der Blick in das eigene Herz, die innere Seelenschau, sowie in die Orakelkarten. Und die Frage: Was wünsche ich mir für mich, aber auch für mein Umfeld, meine Umwelt? In was für einer Welt möchte ich leben?

Das alte Jahr ausräuchern

Entsprechend möchten uns die überlieferten Bräuche immer auch daran erinnern zu sehen; hinzusehen, was wirklich ist, wirklich zählt. In diesen geschenkten zwölf Tagen, die eigentlich nicht sind, geht es darum, zu erkennen und wertzuschätzen. So wurde jede Nacht eine Kerze ins Fenster gestellt, auf dass das Haus von bösen Geistern verschont bleibe; es wurde gebetet und alten Geschichten gelauscht. Gegen Ende der Rauhnächte schließlich wurde geräuchert, mit weißem Salbei oder Weihrauch zur Reinigung der alten Energien und mit schützendem Wacholder. In der Nacht des 5. Januar, der „Nacht der Gnade“, enden die Rauhnächte. Die Schleier zur Anderswelt fallen, und was für einen kurzen Augenblick sichtbar war, entzieht sich erneut. Das Leben tritt wieder hinein in die Zeit. Reißt uns mit sich, wirbelnd dahinrasend. Und doch – ein wenig sehender vielleicht.

Ein Interview über die Rauhnächte

Rauhnächte-Expertin Vera Griebert-Schröder verrät im Interview mit happinez Online noch mehr magische Details über die Rauhnächte sowie ihr liebstes Ritual für diese Tage.