Kontrollzwang: Warum wir nichts erzwingen können

Unsere Welt, in der wir leben, ist angefüllt mit großen Träumen. Jeder einzelne von uns bringt seine ein: diesen einen Job kriegen, endlich eine bessere Beziehung und ein volles Konto haben. Wir möchten dies erreichen und das gern sehen. Dazu kommen die vielen kleinen Wünsche im Alltag: Die Kinder sollen schnell morgens fertig werden, der Partner mithelfen, die Katze kuschelig sein, wenn wir uns danach sehnen... Dafür setzen wir viel Energie ein und entwickeln nicht selten einen regelrechten Kontrollzwang. Wir planen, machen, tun, ermahnen, manchmal manipulieren wir sogar oder schimpfen. Am Ende kommt alles anders. Ist das gemein? Nein, das ist sogar sehr gut für uns.

Bunte Mandalas
Der Kontrollzwang hindert uns daran, das Leben zu führen, dass wir uns wünschen. Foto: Adobe Stock

Was bedeutet Kontrollzwang?

In der Psychologie steht Kontrollzwang für eine Form der Zwangsstörung, bei der Menschen ständig unter der Angst Leben, anderen durch ihr Handeln oder Vergessen Schaden zuzufügen. Sie checken beispielweise immer wieder, ob der Herd aus und die Tür auch verschlossen ist. Das kann soweit gehen, dass die Personen ihr Haus nicht mehr verlassen und am Leben teilnehmen können. Im Alltag verwenden wir den Begriff auch häufig, wenn es darum geht unbedingt kontrollieren zu wollen, was in unserem Leben geschieht. Haben wir das Gefühl, es nicht zu schaffen, also die Kontrolle zu verlieren, bekommen wir Panik oder fühlen uns wie Versager. Doch dieses Denken müssen wir loswerden, um glücklich zu sein. Denn wir können nichts erzwingen im Leben.

Macher-Mentalität oder Kontrollsucht

Natürlich ist es wunderbar, wenn wir uns engagieren und selbstverantwortlich sind. Es ist gut, Ziele und Visionen zu haben. Sie sind der Motor, die uns antreiben und im Leben voranbringen. Sitzen wir wie gelähmt zuhause und hoffen nur darauf, dass sich etwas verändert und es uns endlich besser geht, wird das auf die Dauer nichts helfen. Wir müssen unser Schicksal in die Hand nehmen und aktiv formen. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass unser Einfluss begrenzt ist und manche Dinge einfach passieren, egal was wir dagegen stellen. „Anhaftung“ nennen die Buddhisten dieses Phänomen. Kontrollzwang und sich auf eine Sache zu fixieren, ist für sie eines der größten Ursachen von Leid. Und das wollen wir doch alle möglichst vermeiden.

Kontrolle abgeben und Veränderung zulassen

Der Grund, warum das Erzwingen nicht funktioniert ist, dass sich alles im Leben ständig verändert. Auch, die Dinge, die scheinbar immer so waren, wie sie waren. Wer sein Glück von einer bestimmten Sache abhängig macht, übersieht, dass alles im Wandel ist. Das Gefühl ist natürlich trotzdem menschlich. Oft steckt dahinter der Wunsch, die Dinge zu kontrollieren. Viele haben Angst vor Kontrollverlust und Überraschungen, weil wir nicht wissen, ob wir mit den großen Gefühlen zurechtkommen, die sie mitbringen. Wenn der eine Job nicht klappt, aber ein anderer sich ergibt. Schaffe ich die veränderten Bedingungen überhaupt? Oder finde ich einen neuen Partner, wenn mich der bisherige verlässt?

Tipps gegen Kontrollzwang

Jeder fürchtet sich vor dem Unbekannten. Aber etwas Neues ist häufig der Schlüssel zu mehr Zufriedenheit. Ein guter Tipp ist daher, sich zu engagieren, die Dinge ins Rollen zu bringen und dann einfach zu schauen, was passiert. Wenn nichts passiert, sollte es möglicherweise nicht ins Leben kommen. Oder braucht noch Zeit. Vielleicht kommt auch etwas viel Besseres. Uns werden die Aufgaben mit auf den Weg gegeben, die richtig für uns sind. Woran wir wachsen können. Es ist keine Strafe, wenn etwas nicht klappt, sondern vielleicht unsere größte Chance. Bist du also mal wieder in einem Moment der Unsicherheit gefangen, erinnere dich an genau diese Sätze und rücke damit alles wieder in die richtige Perspektive.

„Nicht zu bekommen, was man will, ist manchmal der größte Glücksfall.“
Dalai Lama

Loslassen bedeutet auch "nicht urteilen"

Das Gegenteil von Erzwingen ist daher Loslassen zu lernen. Es „sein zu lassen“. Aber auch nicht zu „urteilen“. Sich in den Fluss des Lebens werfen. Das wäre doch fantastisch. Die richtigen Dinge oder Menschen tauchen nämlich oft auf, aber wir erkennen sie nicht, weil wir unsere alten Vorstellungen so gern mögen. Das ist auch okay, wir müssen nicht täglich unsere kompletten Wertevorstellungen ändern. Aber einfach mal schauen, was da so hereinspaziert ins Leben. Das wäre doch auch nicht schlecht, oder? Etwas erzwingen zu wollen meint, in seinen Grenzen zu bleiben. Loslassen sprengt das Bekannte und öffnet neue Welten. Der buddhistische Mönch Ajahn Chah hat einmal dazu gesagt: „Wenn du etwas loslässt, bist etwas glücklicher. Wenn du viel loslässt, bist du viel glücklicher. Wenn du ganz loslässt, bist du frei.“ Wie wahr und wie schön.

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