Bestimme dein Schicksal: Tarotkarten legen und deuten

Seit dem 15. Jahrhundert haben sich Tarotkarten auf der ganzen Welt verbreitet und sind bis heute für Rituale aller Art beliebt. Wer glaubt, beim Tarot ginge es lediglich um das Vorhersagen der Zukunft, liegt falsch. Tarotkarten tragen eine besondere Kraft in sich, die über das Wahrsagen hinausgeht. Beim Tarotkarten-Legen sollen Geheimnisse aufgedeckt werden, die in uns schlummern. Sie dienen zur Reflexion und als Wegbegleiter. Wir verraten dir, was es mit dem magischen Kartendeck auf sich hat, welche Legearten es gibt und wie du Tarot in deinen Alltag integrieren kannst.

Tarotkarten und Kristalle
Statt viel Geld zu bezahlen, kannst du dir deine Tarotkarten gratis selber legen und einen Blick in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft wagen. Foto: canva.com

Tarotkarten legen: Woher stammt das Ritual?

Der Begriff Tarot ist französisch und bezeichnete ursprünglich ein Kartenspiel mit 78 Blatt. Im 15. Jahrhundert wurde es unter verschiedenen Namen in ganz Europa gespielt. Das Kartenspiel entwickelte sich mit der Zeit immer weiter, aber erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde das Tarotkarten-Legen von okkultistischem Kreisen entdeckt und erlangte als Wahrsageinstrument neue Bedeutung und Beliebtheit. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts konnte das erste Tarot-Kartendeck in Massenproduktion hergestellt und so einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden. Arthur Edward Smith gestaltete dieses Deck und ein dazugehöriges Begleitbuch gemeinsam mit der Künstlerin Pamela Colman Smith. Das Rider-Waite Deck ist bis heute eines der bekanntesten und meist-kopierten Tarot-Decks aller Zeiten. Tarotkarten zu legen, ist heute noch immer besonders zur Vorhersage der Zukunft bekannt. Die bunten Karten können jedoch auch Auskunft über deine Vergangenheit und Gegenwart geben – und eine professionelle (und teure) Wahrsagerin brauchst du dafür nicht unbedingt. Du kannst dir die Tarotkarten gratis selber legen und sie als gutes Tool zur Selbstreflexion nutzen. Ziehst du sie regelmäßig zu Rate, helfen sie dir, deine Situation besser zu verstehen und die nötigen Schritte zu machen, um dein Leben zum Positivem zu verändern.

Wie ist ein Tarot-Deck aufgebaut?

Ein klassisches Tarot-Deck besteht aus 78 Karten, die in 22 große und 56 kleine Arkana (lat. „Geheimnis“) aufgeteilt werden. Die Bedeutung der Karten unterscheidet sich grundlegend darin, ob sie zu den großen oder kleinen Arkana gehören. Das große Arkana steht für das Schicksal und wichtige Ereignisse der fragenden Person, während das kleine Arkana alltägliche Gegebenheiten und Probleme aufzeigt. Bevor du dir die Tarotkarten legen kannst, solltest du die verschiedenen Karten kennenlernen.

Kleine Arkana im Tarot

Die 56 kleinen Arkana bestehen aus vier Bereichen, die einem der vier Elementen zugeordnet werden: Stab (Feuer), Kelch (Wasser), Schwert (Luft) und Münze (Erde). Sie verkörpern die innere Kraft, die uns antreibt. Wie bei einem normalen Kartenspiel beinhaltet jede der vier Gruppen zehn Zahlenkarten von Ass bis Zehn, also beispielsweise Sechs der Kelche oder Vier der Schwerter. Zusätzlich gibt es in jeder Gruppe vier Hofkarten: Bube (Erde), Ritter (Luft), Königin (Wasser) und König (Feuer). Diese Karten beziehen sich häufig auf reale Personen, die dir im Leben begegnen. Sie verbinden dich mit deinen Gedanken und Gefühlen und verraten dir mehr über deine Beziehungen zu anderen. Das Besondere an den Hofkarten ist, dass sie gleichzeitig ihr eigenes und das Element ihrer Gruppe verkörpern. Ein König der Kelche trägt also Wasser (Kelch) und Feuer (König) in sich, was entscheidend beim Tarotkarten-Legen und deren Deutung ist.

Tarotkarten ziehen
Tarotkarten können vielleicht nicht die Zukunft vorhersagen, doch sie geben uns einen tiefen Einblick in unsere Psyche. Foto: canva.com

Große Arkana im Tarot

Die großen Arkana werden auch „Trumpfkarten“ genannt. Sie stehen im Gegensatz zu den kleinen Arkana nicht mit normalen Spielkarten wie Skat oder Rommé in Verbindung. Trumpfkarten verkörpern die Reise des Menschen von der Geburt bis zur Lehre, Erleuchtung und dem Tod sowie die Suche nach Bedeutung und Bestimmung im Leben. Die Karten sind von Null bis 22 durchnummeriert und ihre Motive reichen von der Sonne, der Waage und der Liebenden bis hin zu düstereren Bildern wie dem Gehängten, dem Teufel und dem Tod. Im Tarot wird diesen Karten eine höhere Bedeutung zugesprochen, da ihre Botschaften über alltägliche Belange hinaus Hinweise auf das Schicksal der fragenden Person geben. Sie stehen für die großen Lehren in unserem Leben, für unser Unterbewusstsein und das höhere Ich.

Tarotkarten legen vs. Engels- und Orakelkarten

Während es beim Tarot durch die großen und kleinen Arkana unterschiedliche Hierarchien innerhalb der Karten gibt, ist bei Orakel- oder Engelskarten jede Karte gleichwertig. Die Anzahl der Karten variiert ebenfalls und ist nicht auf 78 festgelegt. Orakel- und Engelskarten eignen sich besonders, um kurzfristige Ereignisse vorherzusagen oder Auskunft über die aktuelle Situation zu geben und können aufgrund der starken Bedeutung jeder einzelnen Karte wunderbar als Tageskarte genutzt werden. Orakelkarten werden häufig für bestimmte Themen wie Liebe, Selbstfindung und Glück entwickelt. Daher kann man mit ihnen gezielt einen bestimmten Bereich tiefgründiger erkunden. Tarotkarten zu legen, ist dagegen besser geeignet, um das Schicksal einer Person zu deuten und bei der Interpretation stärker in die Tiefe zu gehen.

Welches Kartenlegen passt zu mir?

Ein klassisches Tarot-Deck kann auf Anfänger durch Motive wie den Tod etwas düster wirken – obwohl ihre Bedeutung natürlich nicht immer wörtlich zu nehmen ist. Orakelkarten bieten einen sanfteren Einstieg in die Welt des Kartenlegens, prinzipiell ist aber auch Tarot für Anfänger geeignet. Vertraue bei der Wahl deiner Karten immer auf deine Intuition und entscheide dich für das Set, das dich am meisten anspricht.

Tarotkarten legen lernen: So funktioniert's!

Je nachdem, was du von deinen Karten erfahren willst, gibt es verschiedene Legearten. Fange zunächst mit einer einfacheren Variante an, um ein Gefühl für deine Karten zu erhalten und steigere dich nach und nach. Du kannst frei entscheiden, wann du Tarotkarten legen willst. Vertraue dabei auf dich und auf die Karten. Du kannst zum Beispiel täglich eine einzelne Karte ziehen oder ein drei-Karten-Bild einmal im Monat legen. Wende dich an deine Karten, wenn du dich unsicher fühlst, Rat brauchst oder dich ein Problem belastet. Die Tarotkarten sollen dir Klarheit schenken, dich inspirieren und neue Denkanstöße geben. Wenn du dein Deck regelmäßig benutzt, stärkst du damit deine Intuition und lernst, deiner inneren Stimme zu vertrauen.

Bevor es mit dem Kartenlegen losgeht...

Tarotkarten nehmen Energie um sich herum auf. Daher solltest du sie regelmäßig und besonders, wenn sie neu sind, energetisch reinigen. Entzünde dafür ein Bündel weißen Salbei und halte die Karten über den aufsteigenden Rauch. Nimm die gereinigten Karten dann in die Hand und mische sie durch. Übertrage deine persönliche Energie auf sie und „programmiere“ dein Tarot-Deck so, dass es ein Teil deines Lebens und deiner Erfahrungen wird. Komm vor dem Tarotkarten-Legen zur Ruhe, atme tief und bewusst. Überlege dir dann, was du von den Karten erfahren willst oder in welchen Bereichen deines Lebens du dir mehr Klarheit wünscht. Es sollten möglichst keine Ja-oder-Nein-Fragen sein, sondern offene Fragen. So können dir die Karten am besten zu einer Erkenntnis verhelfen.

Eine Einzelkarte legen

Einzelkarten sind ein einfacher Weg, um dich mit deinem Deck vertraut zu machen. Sie sind besonders gut für kleine Fragen oder kurze Vorhersagen geeignet. Mische die Karten gut, ziehe eine und lege sie mit dem Bild nach unten auf den Tisch oder Boden. Drehe die Karte um und lies dir ihre Bedeutung durch. Die meisten Tarot-Decks enthalten ein Begleitbuch mit ausführlichen Erklärungen. Höre nun auf dein Bauchgefühl: Was löst diese Karte in dir aus? Welche Bedeutung könnte sie in Bezug auf deine aktuelle Situation oder deine Frage haben? Lerne, nicht zu lange über die Tarotkarten-Bedeutung nachzudenken, sondern sie intuitiv zu verstehen. Die Karten sprechen für sich und die Antwort auf deine Frage schlummert unterbewusst bereits in dir.

Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft – Tarotkarten legen am Monatsanfang

Ziehe immer zu Beginn eines Monats (oder in größeren Abständen) drei Karten. Die erste steht für deine Vergangenheit, die zweite für die Gegenwart, die dritte für deine Zukunft. Das Legesystem eignet sich besonders gut, um zu verstehen, warum du dich an einem bestimmten Punkt befindest, wie du diese Situation erschaffen hast und wie sich deine Zukunft aufgrund deiner Handlungen gestalten wird. Die Karten bieten dir die Möglichkeit, dich selbst zu reflektieren und Verbesserungen für die Zukunft vorzunehmen, wenn du nicht zufrieden mit deiner Entwicklung bist.

Das keltische Kreuz im Tarot

Das keltische Kreuz ist eines der bekanntesten und ältesten Legesysteme, die es im Tarot gibt. Hierbei ziehst du zehn Karten, sodass es du für gleich mehrere Fragen oder Aspekte deines Lebens Auskunft erhalten kannst. Das Legesystem ist besonders zu Zeiten des Umbruchs ein guter Begleiter. Nutze es an Neujahr, deinem Geburtstag oder wenn du merkst, dass wichtige Veränderungen bevorstehen. Überlege dir vor dem Tarotkarten-Legen, was du wissen willst, welches Thema dich momentan besonders beschäftigt und in welchen Bereichen du dir Klarheit wünscht. So wird das keltische Kreuz gelegt:

  1. Lege die erste Karte in die Mitte. Sie steht für deine Ausgangsituation.

  2. Die zweite Karte kommt wie ein Kreuz auf die erste und beschreibt, was dich momentan hindert.

  3. Lege die dritte Karte oberhalb der ersten beiden. Sie symbolisiert dein denkendes, rationales Ich, also deine bewussten Gedanken.

  4. Unterhalb der ersten beiden wird die vierte Karte positioniert. Sie verrät dir mehr über deine Emotionen, also dein unbewusstes Ich.

  5. Links von den ersten beiden Karten liegt die fünfte Karte, die wichtige Ereignisse aus deiner Vergangenheit beschreibt.

  6. Rechts von der Mitte verrät dir die sechste Karte, wie deine nahe Zukunft aussehen wird.

  7. Neben das nun gelegte Kreuz werden rechts vier weitere Karten in einer senkrechten Linie gelegt. Den Anfang macht ganz unten die siebte Karte, die dich als fragende Person beschreibt.

  8. Die achte Karte steht für dein Umfeld und zeigt, wie die Menschen in deinem Leben deine aktuelle Lage einschätzen und welchen Einfluss sie auf dich haben.

  9. Die vorletzte Karte schenkt dir Einblick in deine Hoffnungen, Wünsche und Ängste.

  10. Zum Abschluss gibt dir die zehnte Karte einen langfristigen Ausblick in deine Zukunft. Sie ist sozusagen ein Ergebnis von allem, was du von den anderen Karten erfahren hast.

Frau legt Tarotkarten am Strand
Das Kartenlegen kann dir dabei helfen, andere Menschen in deinem Umfeld besser zu verstehen. Foto: canva.com

Einfaches Liebes-Tarot

Eine simple und schnelle Methode, um Klarheit über eine aktuelle oder neue Beziehung zu bekommen, ist, ein kleines Liebes-Tarot zu legen: Ziehe nacheinander drei Karten und decke sie in der Reihenfolge, in der du sie gezogen hast, auf. Die erste Karte verrät dir, was dein Partner denkt und was ihn gerade beschäftigt. Die zweite gibt dir Hinweise auf seine Handlungen und die dritte zeigt seine Gefühle und Bedürfnisse auf. Dieses Legesystem steht dir immer zur Seite, wenn du Schwierigkeiten hast, eine andere Person zu verstehen oder ihr Handeln nachzuvollziehen.

3 Tarot-Rituale: Integriere das Tarotkarten-Legen in deinen Alltag

  1. Die Tageskarte: Nimm dir am Morgen zehn Minuten Zeit und ziehe eine Karte. Sie soll dir etwas über den Tag verraten oder dein Mantra für die nächsten 24 Stunden sein. Schreibe auf einem Blatt Papier für drei Minuten ganz frei und ungefiltert alle Gedanken auf, die dir zu der Bedeutung der Karte in den Kopf kommen. Du kannst die Karte auch in deinem Portemonnaie oder der Hosentasche bei dir tragen und dir ihre Botschaft so stets vor Augen halten.

  2. Die Abend-Reflexion: Wenn du morgens eine Tageskarte gezogen und deine Gedanken aufgeschrieben hast, dann lies dir am Abend deinen Eintrag durch und schau, wie sich der Tag im Licht dieser Worte entwickelt hat. Du kannst auch abends eine Tarotkarte legen, um den Tag zu reflektieren und bestimmte Erlebnisse besser zu verstehen. Verbinde das Kartenziehen mit einer Meditation, um diese Übung zu intensivieren.

  3. Tarot-Journaling: Ein Tarot-Journal ist eine wundervoller Ergänzung beim Kartenlegen. Darin kannst du beispielsweise deine gezogenen Karten notieren und hast Platz, um ihre Bedeutung zu reflektieren. Halte deine Gedanken fest und lass dich dabei von deiner Intuition leiten. Blättere wie in einem Traumtagebuch regelmäßig deine alten Einträge durch und lerne so dich und deine Karten besser kennen.

Schöne Karten für dich

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