Wintersonnenwende: Vom Pfad des Herzens

Die Wintersonnenwende am 21. Dezember ist eine der heiligsten Sonnenfeiern. Sie bezeichnet die längste Nacht des Jahres und markiert zugleich die langsame Rückkehr der Wärme und des Lichts

ein loderndes Feuer bei Abenddämmerung auf einer Wiese
Foto: canva

Die Germanen nannten sie „Mutternacht“ – diese längste Nacht des Jahres am 21. Dezember, wenn die Dunkelheit schwer und greifbar über allem liegt. In ihrem Glauben kam das Sonnenrad in dieser Nacht zum Stillstand – zugleich markierte die Wintersonnenwende, das Julfest, den Beginn der Rauhnächte, in denen der Gott Wotan mit seinem Gefolge in wilder Jagd über das Land fegte, um alles Alte mit sich fortzureißen.

Die Mutternacht ist somit eine Zeit der inneren Einkehr, eine Zeit des Bewusstwerdens. Es ist die Zeit, um dem Herzen zu folgen und in dunkelster Nacht den rechten Pfad zu finden. So kommt seit jeher dem Entzünden der Lichter an Jul eine besondere Bedeutung zu – dieser Brauch sollte einerseits die Götter motivieren, sich durch Nacht und Dunkelheit zu kämpfen; andererseits symbolisierte jedes entzündete Licht die Erhellung des eigenen Geistes. Ein altes Ritual, das noch heute beim Entzünden der Weihnachtsbaumlichter begangen wird.

Dein Ritual zur Wintersonnenwende

Eine wunderschöne Variation dieses Brauchs können wir zelebrieren, indem wir an Jul unsere Liebsten um uns versammeln und feierlich alle Lichter im Haus löschen. In dieser Dunkelheit, der Dunkelheit der Mutternacht, halten wir uns an den Händen und lauschen zunächst ein paar Augenblicke der Stille in unserem Inneren. Der Reihe nach ergreifen dann alle Anwesenden das Wort. Jeder erzählt ein paar Minuten lang – eine alte Geschichte oder ein Märchen, das bestimmte Werte verdeutlicht; vielleicht auch von einer Begegnung, die ihn prägte, oder von einem Menschen, der ihn eine wertvolle Lektion lehrte.

Das „Wie“ ist unerheblich – entscheidend ist einzig, dass unsere Geschichte von jenen kostbaren Momenten erzählt, die das Leben lebenswert machen. Das können große Wunder sein und kleine – Götter, die uns im Traum erscheinen; das Lächeln eines Kindes; der Duft einer Rose; Freunde, die in unser Herz blicken. Nach jeder Geschichte wird ein Licht entzündet; eine kleine Markierung auf dem Pfad des Lebens. Dann ergreift der Nächste das Wort, und so geht es reihum, bis der Raum von einem Lichtermeer erfüllt ist, die Wiedergeburt des Lichts symbolisierend. Mit Hoffnung und Liebe gewappnet, werden wir ihr entgegensehen – und mit vielen kleinen Lichtern, die nicht nur Götter zu motivieren vermögen, sondern auch unser Herz auf dem Pfad des Lebens führen.